Innovation

10. April 08

Innovationen in reifen Märkten

Heute las ich eine Anzeige "Ihr persönliches Sportprogramm. Mit Miele ActiveCare". Der Titel und die abgebildete Radfahrerin machten mich neugierig, da mehr Sport ohnehin gerade ein Thema für mich ist. Hinzu kommt, dass ich einige Jahre in Gütersloh lebte und von daher noch einen persönlichen Bezug zu diesem Unternehmen habe.

Es stellte sich heraus, dass Miele jetzt ein ganzes Wäschepflegesystem speziell für Sport- und Outdoorkleidung anbietet. Neben Waschmaschine und Trockner gehören auch spezielle Pflegeprodukte dazu.

Innovation also in mehrfacher Hinsicht:

  • für ein bestehendes Produkt (Waschmaschine bzw. Trockner) werden neue Anwendungsmöglichkeiten und spezielle Kundengruppen erschlossen
  • Denken in Gesamt-Lösungen für den Kunden (Geräte + Pflegemittel) statt in Produkten (etwas, das ich auch in meinem Buch Wachstumsstrategien für Solo- und Kleinunternehmer propagiere)
  • ein Marketing, das den Kundennutzen auf den Punkt bringt, statt nur die technische Seite des Produktes  zu beschreiben.

Doch damit nicht genug:

Als ich ein bisschen auf der Miele-Website blätterte, entdeckte ich noch einige andere Innovationen.
Sehr interessant finde ich den maßgeschneiderten Staubsauger  , mit dem man seinen Staubsauger entsprechend den persönlichen Bedingungen (zB Bodenart, Haustiere u.a.) konfigurieren kann.

Und ein ganz besonderer Clou ist der Live-Dauertest einer Gespirrspülmaschine im Internet. Wer will, kann im Internet genau verfolgen, ob der Gespirrspüler die geforderten 7500 Spülgänge übersteht. Per Webcam kann man sich höchstpersönlich von der legendären Miele-Qualität überzeugen.

Wenn man bedenkt, dass das Unternehmen seit 1899 besteht und in einem umkämpften Markt positioniert ist, ist es schon erstaunlich, so viel Frische und Lebendigkeit zu finden. Und gleichzeitig wird deutlich, dass diese Innovationsfreude, gepaart mit der Qualität und dementsprechenden Preisen, einer der Schlüssel für den langlebigen Erfolg ist.

Die Firmengeschichte zeigt, dass die Produkte durchaus im Laufe der Jahrzehnte gewechselt haben: Milchzentrifugen, Handwagen, Automobile, Fahrräder, Waschmaschinen und  Trockner und einiges mehr gehörten im Laufe der Zeit zum Produktspektrumktrum.

Was lässt sich aus diesem Beispiel lernen?

  • Selbst in scheinbar reifen Märkten ist Innovation möglich. Doch diese erfordert, sich aus den eingefahrenen Denkschienen heraus zu bewegen. Der Schlüssel liegt darin, die echten Kundenbedürfnisse zu erkennen und dafür Lösungen anzubieten. Je umfassender diese Lösungen sind, desto größer ist die Chance, von den Kunden dafür honoriert zu werden, und desto geringer ist das Risiko der schnellen Nachahmung von Wettbewerbern. Denn ein Produkt lässt sich heutzutage relativ leicht kopieren, ein ganzes System weniger leicht.
  • Innovation heißt unter Umständen auch, etwas loszulassen, das bisher funktioniert hat.
  • Das verlangt, sich und sein Unternehmen immer wieder aktiv in Frage zu stellen.
  • Es heißt auch, Kundenbedürfnisse immer wieder neu auszuloten. Vor dem Gesundheits- und Fitnesstrend wäre ein Wäschepflegesytem wie das dargestellte nicht sehr interessant gewesen.
  • Das Internet bietet Möglichkeiten, den Kunden einzubeziehen, die weit darüber hinaus gehen, nur einen Prospekt im Internet abzubilden.
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