Vor ein paar Tagen hörte ich eine Diskussion amerikanischer Coaches über die drei wichtigsten Qualitäten eines Coaches. Das hat mich animiert, über meine eigenen Erfahrungen nachzudenken. Ich halte für am wichtigsten:
- Verbindung zu mir selbst
- Verbindung zum Klienten
- Verbindung zu Spirit
Verbindung zu mir selbst
Nur wenn ich in mir selbst ruhig, klar und zentriert bin, bin ich in der Lage, dem anderen eine echte Hilfe zu sein. Das beginnt mit Klarheit darüber, wen ich als Klienten akzeptiere und wen nicht. Wenn beispielweise wichtige Werte nicht übereinstimmen, hat ein Coaching schlechte Chancen.
Verbindung zu mir selbst bedeutet auch, meine eigene Wahrheit zu respektieren. Sie äußert sich in vielerlei Art und Weise. Der Inhalt dessen, was der Klient sagt, stellt nur eine Ebene dar und nicht immer die wichtigste Ebene. Darüber hinaus kommen vielfältigste Informationen herüber. Meine eigene Wahrheit zu respektieren, bedeutet daher, alle Wahrnehmungen zu nutzen, die mir zur Verfügung stehen. Das geht über die üblichen Sinneswahrnehmungen hinaus. Oft führen mich körperliche Phänomene auf die richtige Spur und helfen mir, das zu erkennen, was dem Klienten selbst aktuell nicht bewusst ist. Plötzliche Kopf- oder Magenschmerzen, Gefühle von Enge oder Weite, Anspannung oder Entspannung sind wichtige Indizien dafür, was unterhalb der Oberfläche stattfindet. Auch emotionale Reaktionen gehören zu diesen Indizien. Es hat eine Weile gebraucht, bis ich den Wert dieser Informationen erkannt und mir zugestanden habe. Heute weiß ich, dass ich, wenn ich meinen eigenen Körper als Resonanzboden betrachte und alle Wahrnehmungen einbeziehe, dem Klienten mehr helfe, als wenn ich mich nur an seinen Worten oder sonstigen äußeren Gegebenheiten orientiere.
Dazu gehört auch, intuitive Eingebungen wahrzunehmen und sie ernst zu nehmen. Manchmal sind sie sehr überraschend und auf den ersten Blick ist nicht erkenntlich, was sie mit der aktuellen Situation zu tun zu haben. Doch jedes Mal erlebe ich, wie es positiv weitergeht, wenn ich intuitive Eingebungen - in welcher Form sie auch auftreten mögen - nutze und in den Coachingprozess einbringe. Selbst wenn ich auf Anhieb nichts damit anzufangen weiß, weiß es häufig die Klientin.
Letztlich geht es um Energie. Wenn der Klient als Folge des Coachings in einem anderen energetischen Zustand ist, kann er die anstehenden Herausforderungen von einer neuen Ebene her bewältigen.
Verbindung zum Klienten
Verbindung zum Klienten ist mehr als oberflächlicher Rapport. Es ist letztlich die Verbindung von Herz zu Herz. Diese erlaubt der Klientin, sich zu öffnen für ihre eigene Wahrheit. Es entsteht ein geschützter Raum, in dem sie sich klar werden kann, was ihr wirklich wichtig ist im Leben wie im Business, unabhängig davon, wie weit das mit hergebrachten Konventionen oder der Meinung anderer übereinstimmt. In diesem Raum darf sie sich mit ihrer ganzen Größe zeigen wie auch mit ihrer ganzen Verletztlichkeit. Alles, was ist, darf sein. Gefühle müssen nicht mehr unterdrückt oder anderweitig verborgen werden, sondern werden einfach frei gelassen.
Es gibt keine wirkliche Trennung zwischen dem Klienten und dem Coach, weil alles Leben miteinander verbunden ist. Dass wir in einem Coachingprozess zusammen gekommen sind, hat auch etwas mit Resonanz zu tun. Meine eigenen Erfahrungen fließen mit ein. Ich bin kein Neutrum.
Gleichwohl muss ich als Coach in der Lage sein, mich aus dem Ganzen herauszunehmen. Das geschieht zum Einen durch den ständigen Fokus auf die Frage, was im derzeitigen Moment für den Klienten das Beste ist. Und zum Anderen geschieht es durch die Verbindung zu Spirit.
Verbindung zu Spirit
Die besten Coachings sind die, in denen wir beide, der Klient und ich, uns einer größeren Intelligenz öffnen können. In solchen Situationen findet eine Kommunikation anderer Art statt. Ich denke nicht mehr bewusst nach, sondern es stellen sich die richtigen Bilder und Worte ein. Die Klientin reagiert darauf wie in einem Ping-Pong-Spiel. Der gesamte Prozess wird leicht und mühelos und findet auf einer tiefen Ebene statt.
Wichtige Voraussetzung dafür ist ein guter Zugang zur eigenen Intution, sowohl auf der Seite des Klienten wie auf meiner Seite, und der Fokus auf das, was zum Besten des Klienten und aller Beteiligten ist. Und gleichwohl lässt es sich nicht erzwingen, sondern ist immer auch ein Geschenk.
Das bedeutet nicht, dass Coaching nur innere Arbeit ist. Coaching ist sehr praxisbezogen. Daher schließe ich kein Coaching ab, das nicht eine Brücke schlägt von der inneren Entwicklung, die sich während der Session vollzogen hat, zu den ganz praktischen nächsten Schritten, die sich in der äußeren Realität vollziehen. Beides gehört zusammen. Doch ohne die innere Entwicklung wären die äußeren Schritte nur ein "mehr desselben". Wachstum und Transformation bedeuten jedoch nach meinem Verständnis, auf eine neue Ebene der Erkenntnis und der Energie zu gelangen, um von da aus zu neuen äußeren Aktivitäten in der Lage zu sein.